Metamorphose des Menschseins
– Gedanken im Herbst (Ingo Ballmann)
Wenn im Herbst die Blätter fallen, tanzen sie in stiller Würde zu Boden. Kein Aufbegehren, kein Festhalten – nur Hingabe an den Kreislauf des Lebens. Sie erinnern uns leise daran, dass auch wir Teil dieses ewigen Werdens und Vergehens sind. Dass auch wir nicht außerhalb stehen, sondern mitten darin: im Wandel, in der Transformation, in der Metamorphose unseres Menschseins.
Ich, als Träger des Pallimero SAPV-Teams, bewege mich täglich zwischen den Welten – zwischen Hoffnung und Abschied, zwischen Leben und Tod, zwischen dem Sichtbaren und dem, was bleibt. Und immer wieder frage ich mich: Wie weit haben wir uns entfernt von diesem natürlichen Kreislauf? Wie sehr haben wir uns verbogen – für Konsum, für Leichtigkeit, für eine Illusion von Kontrolle?
Die Natur kennt keinen Stillstand, aber sie kennt Rhythmen. Sie kennt das Loslassen. Sie kennt das Reifen durch Vergehen. Und sie kennt die Wärme, die aus Stille wächst. Doch wir Menschen haben verlernt, mit dem Wandel zu tanzen. Wir fürchten den Verlust und übersehen dabei, dass genau im Loslassen eine tiefe Form von Leben liegt.
Wo finden wir heute unsere innere Wärme? Unser Glück? Unsere Zufriedenheit? Vielleicht dort, wo wir den Mut haben, nicht mehr nur zu funktionieren. Vielleicht dort, wo wir den leisen Stimmen in uns wieder lauschen. In Momenten der echten Begegnung, im Annehmen der eigenen Endlichkeit, in der Fürsorge füreinander – dort geschieht wahre Metamorphose.
Wir können nicht zurück zur Natur, als wären wir je getrennt gewesen. Aber wir können uns erinnern. Daran, dass auch wir wie die Blätter sind: Teil eines größeren Ganzen. Schön in unserer Vergänglichkeit. Wertvoll nicht trotz, sondern wegen unserer Begrenztheit.
Und vielleicht liegt genau darin das neue Menschsein: nicht im Streben nach Dauer, sondern im Einverstanden Sein mit dem Wandel. Nicht im Festhalten, sondern im Mitfließen. Nicht im Haben, sondern im Sein.